Förderprogramm von Waisenkinder in Sansibar

Waisenkinder der Herrnhuter Academy School
Waisenkinder der Herrnhuter Academy School

"Ich möchte später einmal Astronaut werden. Oder Ingenieur. Oder Psychologe". Der 11 jährige David Oscar Sawilo lebt in Mwera zusammen mit seinem großen Bruder Haruni. Sein Vater wurde bei der Arbeit überfallen und erschossen. Zu diesem Zeitpunkt war David noch sehr klein und hat daher keine Erinnerung mehr an seinen Vater. Mitte diesen Jahres verstarb leider auch seine Mutter Ruth, die ehemalige Schulleiterin der Herrnhuter Academy School in Mwera. Bis vor kurzem arbeitete sie noch im Child Care Center in Malawi um genügend Geld für ihre Familie aufbringen zu können. David vermisst seine Mutter sehr und würde sich wünschen, bald wieder mit all seinen Geschwistern vereint zu sein.

Als seine Mutter mit ihm schwanger war, starb der Vater des heute elf jährigen Abdullah Shaaban. Heute lebt er mit seiner Mutter, einem Halbbruder und seiner Schwester in Mwera. Seine Mutter ist Schneiderin, muss sich aber, um ihren Unterhalt zu verdienen, andere Wege suchen. Sie verrichtet inzwischen Schwerstarbeit und klopft Steine, die dann für den Haus- und Mauerbau verwendet werden. Abdullah wohnt in einem einfachen Lehmhaus, das sein Vater vor seiner Geburt errichtet hat. Trotz dieser Umstände gehört Abdullah zu den besten Schülern und möchte gerne Lehrer werden. Seine Lieblingsfächer sind Mathematik, Geschichte und Englisch.

Rehema Abedi ist neun Jahre alt und besucht ebenfalls die Herrnhuter Academy School in Mwera. Dort lebt sie auch zusammen mit ihrer Mutter und ihren drei Geschwistern. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, da er durch einen Busunfall bereits vor ihrer Geburt verstarb. Die Familie kann sich kaum Essen leisten und auch die Schulmaterialien sind nicht bezahlbar. Als ihr Vater verstarb, musste die junge Familie das Wohnhaus verlassen und sämtlicher Besitz wurde ihnen genommen. Rehemas Berufswunsch ist Pilotin. Sie möchte aber auch anderen Kindern helfen, damit niemand mehr so leben muss wie sie selbst.

Waisenprogramm auf Sansibar braucht dringend Unterstützung

„Heute ist für unsere Gemeinde ein besonderer Tag“, so Bürgermeister Sheha Hamisi bei der Feier zum Start des Herrnhuter Waisenprojektes in Mwera auf Sansibar. „Wir freuen uns riesig, dass wir Dank der Herrnhuter Missionshilfe dieses Großprojekt realisieren konnten.“ 15 Waisen und Halbwaisen im Kindergarten- und Vorschulalter werden derzeit an der Herrnhuter Academy School betreut, gefördert und mit Essen versorgt. Täglich erreichen den Bürgermeister neue Anfragen nach einem Betreuungsplatz. „Der Bedarf ist sehr hoch, und gerne würden wir noch viel mehr Waisenkinder aufnehmen. Aus eigener Kraft können wir die finanziellen Mittel hierfür aber nicht aufbringen.“ Die Herrnhuter Missionshilfe möchte helfen, damit weitere Waisen einen Platz an der Herrnhuter Academy School bekommen.

„Ich komme gerne in die Herrnhuter Vorschule. Hier darf ich malen und spielen“, berichtet die kleine Klara Geofrey. Zu Hause hat sie weder Malstifte noch etwas zum Spielen. Das fünfjährige Mädchen hat beide Eltern verloren und wohnt mit den vier Brüdern bei der Tante. Zuerst war sie schüchtern und zurückhaltend, aber heute ist sie ein fröhliches und offenes Mädchen. Ihre Tante ist froh, dass Klara nun täglich etwas zu essen bekommt. Ohne die Herrnhuter Missionshilfe wäre dies nicht möglich.

Für Klaras siebenjährigen Freund Salom Mohammed ist es mittlerweile schon Routine, jeden Morgen in den Bus der Herrnhuter Academy einzusteigen. Der aufgeweckte kleine Junge sitzt immer neben seiner Freundin Klara. Sein Vater ist gestorben. Er lebt mit den drei Brüdern bei seiner Mutter. Diese verkauft selbst gemachtes Essen auf der Straße. Das Einkommen reicht gerade zum Überleben – für die Ausbildung und Förderung der Kinder bleibt nichts übrig. Wenn man Salom nach seinen Hobbies fragt, antwortet er grinsend: „Fußball – ja, Fußball spiele ich sehr gerne“! Klara und Salom sind zwei von 15 Kindern, die durch das Herrnhuter Waisenprogramm auf Sansibar eine Zukunftsperspektive bekommen; zehn Kinder besuchen im Moment den Kindergarten, fünf die Vorschule. Bürgermeister Sheha Hamisi berichtet: „Ich habe eine Datenbank, in der alle Waisenkinder gelistet sind. Zusammen mit unserer Schulleiterin Ruth Loice entscheide ich, welches Kind aufgenommen wird.“ Meist kennen die beiden die Familien und ihre Verhältnisse und sind bemüht, die bedürftigsten auszuwählen.

„Inzwischen hat sich in Mwera herumgesprochen, dass die Herrnhuter Academy ein Waisenprogramm gestartet hat – und nun erhalte ich immer mehr Anfragen von bedürftigen Familien“, so Hamisi.

Bitte helfen Sie zusammen mit uns den Waisenkindern auf Sansibar!

Feier zum Start des Herrnhuter Waisenprojektes
Bettina Nasgowitz, Referentin für Projekte und Finanzen (HMH), Pfarrer Osiah Siwelwe und Bürgermeister Sheha Hamisi