Schuleröffnung für 2018 in Sicht

Erica Ludela, Projektleiterin der »Elisabeth Preiswerk School«

Baustopp in Ifakara aufgehoben

Der Baustopp hatte seine Ursache in immer neuen baulichen und strukturellen Vorgaben der Regierung, die seit zwei Jahren das Bildungswesen reformiert und dabei auch massiv in das Privatschulwesen eingreift. Nach Angaben von Erica Ludela, der Projektleiterin, sowie des verantwortlichen Bauunternehmers Kasitu sind die drei Labore (Chemie, Physik, Biologie) und die Außentoiletten fast fertig. Mit der Genehmigung der Schule wird kurzfristig gerechnet. Anschließend ist für Februar 2018 die Ausstattung der Klassenzimmer sowie der Internats-Schlafräume geplant. Des Weiteren soll noch eine Bibliothek für den Campus eingerichtet werden. Hierfür werden weiterhin dringend Spenden benötigt.

Sekundarschule für Mädchen:
Ladies first!

Erica Ludela

„Gerade auf dem Land“, erklärt Erica Ludela, „haben es die Mädchen besonders schwer, aus ihrer traditionellen Rolle herauszukommen. Bildung ist der entscheidende Schlüssel.“

Engagiert setzt sich die Pfarrerin der Herrnhuter Brüdergemeine (Moravian Church) zusammen mit anderen Frauen dafür ein, dass eine Sekundarschule für Mädchen gebaut wird. „Ladies first“ ist ihr Motto.

Es ist morgens um sechs Uhr auf einem Grundstück nahe Ifakara, dem Hauptort des Kilombero District in Tansania. Ifakara ist ländlich geprägt und liegt rund 400 Kilometer südwestlich von Dar es Salaam. Frauen und Männer in Arbeitsmontur legen das Fundament. Alle Arbeiter befolgen die Anweisungen von Erica Ludela.

Sie stammt aus der Gegend und kennt sich aus. „Wir müssen den Mädchen eine Chance bieten“, bekräftigt die Pfarrerin. Nach der siebenjährigen Primarschule bliebe nur das Warten auf einen Mann, der sie womöglich bald wieder wegschickt. Doch zum Glück würde sich die Stellung der Frau in Tansania gravierend ändern.

Erica ist überzeugt, dass es immer mehr Frauen geben wird, die sich nicht alleine auf Kinder, Kochen und Feldarbeit beschränken und sich damit in die Abhängigkeit ihrer Männer begeben.

„Wir brauchen als Frauen keine Unterdrückung. Zwingend nötig ist ein Schulabschluss auf einer weiterführenden Secondary School für Mädchen. Die Mädchen und ihre Eltern sollen Mut und das schulische Angebot bekommen, weiter zu lernen, weil es ein großer Vorteil für alle ist, wenn Mädchen eine gute Schulbildung haben. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und sorgen sich um ihre Familien. Wenn Frauen etwas gelernt haben, schaffen sie es meist auch leichter, Geld zu verdienen und sich die so wichtige eigene Existenz aufzubauen.“

Als sich Erica zum ersten Mal mit ihrer Vision für eine Herrnhuter Mädchenschule in Ifakara vor zwei Jahren an die Kirchenleitung der Herrnhuter Brüdergemeine in Dar es Salaam wandte, stieß sie auf wenig Unterstützung. Erica Ludela und die mit ihr engagierten Frauen ließen sich nicht entmutigen. Sie haben angefangen, Kollekten zu sammeln. Damit kauften sie das Gelände mit 4,85 Hektar in der Nähe von Ifakara. Sie begannen, Backsteine herzustellen und einen Brunnen zu bauen. Inzwischen ist das Fundament gelegt.

In einem ersten Bauabschnitt sind zwei Klassenräume und ein Büroraum geplant. Die Klassenräume sind für 40 bis 45 Mädchen ausgelegt. Geplant ist der stufenweise weitere Ausbau der Schule. Dazu soll auch ein Hostel kommen, denn die Mädchen sollen sich ganz den schulischen Aufgaben widmen. Häufig müssen sie zu Hause auf die kleineren Geschwister aufpassen, Kochen und Holz sammeln und haben so wenig Zeit, ernsthaft für die Schule zu arbeiten.

Die geplanten Baukosten - alleine für den ersten Bauabschnitt - belaufen sich auf 35.000 €. Doch die Pläne gehen weit darüber hinaus. Sechs Schuljahre bis zur Hochschulreife soll es mit mehreren Klassen pro Schuljahr geben. Eine Schule soll es sein, in der die Mädchen gerne lernen und sich wohl fühlen mit einem guten Standard. Das Miteinander in der Schule soll vom christlichen Geist geprägt sein, der bei den Schülerinnen nicht nach der Religion fragt.

Jetzt sind die Mädchen und jungen Frauen an der Reihe: Ladies first!