Schuleröffnung für 2016 in Sicht

Bahati - eines der ersten Mädchen in Ifakara
Bahati - eines der ersten Mädchen in Ifakara

„Ich bin stolz, eine der ersten Schülerinnen von Ifakara zu sein“, erzählt Bahati Ngusa. Sie ist eines von 70 Mädchen, das als Pionierin die Sekundarschule in Ifakara besuchen wird. „Ich lebe in der direkten Umgebung. Naturwissenschaftliche Fächer interessieren mich sehr. Ich bin technisch begabt und möchte später gerne Ingenieurin werden“, so Bahati. Das 14-jährige Mädchen hat keine Eltern mehr – es lebt bei seiner Tante. „Die Kinder meiner Tante sind noch klein. Bis auf meinen ältesten Cousin. Der ist 20 und studiert in Dar es Salaam. Das Geld ist knapp. Meine Tante ist sehr bemüht, uns alle zu versorgen“, meint die junge Tansanierin. Viele Familien bewirtschaften ein Stück Land, verkaufen Obst und Gemüse auf dem Markt und besitzen kleine Viehherden. Die Kinder werden schon früh mit einbezogen. Vor allem Mädchen müssen sich um die kleinen Geschwister kümmern, der Mutter bei Haus- und Feldarbeit zur Hand gehen. Da bleibt wenig Zeit für Schule und Beruf. „Uns ist es wichtig, dass die Mädchen in einem sicheren Umfeld gefördert werden können“, berichtet Erica Ludela. Sie ist Herrnhuter Pfarrerin, für die Frauenarbeit im Osten Tansanias zuständig und Initiatorin der weiterführenden Schule in Ifakara. „Am wichtigsten ist es, die Schulgebühren der Mädchen zu gewährleisten. Die Familien können sich das Schulgeld nicht leisten. Auch Dinge wie Tische und Stühle für die Klassenräume, Schränke und Stockbetten für das Mädchenwohnheim oder Bücher für Schülerinnen und LehrerInnen sind wichtig“, weiß Ludela. Die Sekundarschule ist gerade noch im Aufbau. Zwei Klassenzimmer und ein Hostel sind bereits gebaut. Bald sollen noch das Lehrerzimmer, die Bibliothek, das Labor, die Küche und eine kleine Kapelle entstehen. „Der Traum meiner Jugend scheint in greifbare Nähe gerückt zu sein – den Mädchen eine Chance zu geben und ihnen eine weiterführende schulische Ausbildung zu ermöglichen", so Ludela abschließend.

Sekundarschule für Mädchen:
Ladies first!

Erica Ludela

„Gerade auf dem Land“, erklärt Erica Ludela, „haben es die Mädchen besonders schwer, aus ihrer traditionellen Rolle herauszukommen. Bildung ist der entscheidende Schlüssel.“

Engagiert setzt sich die Pfarrerin der Herrnhuter Brüdergemeine (Moravian Church) zusammen mit anderen Frauen dafür ein, dass eine Sekundarschule für Mädchen gebaut wird. „Ladies first“ ist ihr Motto.

Es ist morgens um sechs Uhr auf einem Grundstück nahe Ifakara, dem Hauptort des Kilombero District in Tansania. Ifakara ist ländlich geprägt und liegt rund 400 Kilometer südwestlich von Dar es Salaam. Frauen und Männer in Arbeitsmontur legen das Fundament. Alle Arbeiter befolgen die Anweisungen von Erica Ludela.

Sie stammt aus der Gegend und kennt sich aus. „Wir müssen den Mädchen eine Chance bieten“, bekräftigt die Pfarrerin. Nach der siebenjährigen Primarschule bliebe nur das Warten auf einen Mann, der sie womöglich bald wieder wegschickt. Doch zum Glück würde sich die Stellung der Frau in Tansania gravierend ändern.

Erica ist überzeugt, dass es immer mehr Frauen geben wird, die sich nicht alleine auf Kinder, Kochen und Feldarbeit beschränken und sich damit in die Abhängigkeit ihrer Männer begeben.

„Wir brauchen als Frauen keine Unterdrückung. Zwingend nötig ist ein Schulabschluss auf einer weiterführenden Secondary School für Mädchen. Die Mädchen und ihre Eltern sollen Mut und das schulische Angebot bekommen, weiter zu lernen, weil es ein großer Vorteil für alle ist, wenn Mädchen eine gute Schulbildung haben. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und sorgen sich um ihre Familien. Wenn Frauen etwas gelernt haben, schaffen sie es meist auch leichter, Geld zu verdienen und sich die so wichtige eigene Existenz aufzubauen.“

Als sich Erica zum ersten Mal mit ihrer Vision für eine Herrnhuter Mädchenschule in Ifakara vor zwei Jahren an die Kirchenleitung der Herrnhuter Brüdergemeine in Dar es Salaam wandte, stieß sie auf wenig Unterstützung. Erica Ludela und die mit ihr engagierten Frauen ließen sich nicht entmutigen. Sie haben angefangen, Kollekten zu sammeln. Damit kauften sie das Gelände mit 4,85 Hektar in der Nähe von Ifakara. Sie begannen, Backsteine herzustellen und einen Brunnen zu bauen. Inzwischen ist das Fundament gelegt.

In einem ersten Bauabschnitt sind zwei Klassenräume und ein Büroraum geplant. Die Klassenräume sind für 40 bis 45 Mädchen ausgelegt. Geplant ist der stufenweise weitere Ausbau der Schule. Dazu soll auch ein Hostel kommen, denn die Mädchen sollen sich ganz den schulischen Aufgaben widmen. Häufig müssen sie zu Hause auf die kleineren Geschwister aufpassen, Kochen und Holz sammeln und haben so wenig Zeit, ernsthaft für die Schule zu arbeiten.

Die geplanten Baukosten - alleine für den ersten Bauabschnitt - belaufen sich auf 35.000 €. Doch die Pläne gehen weit darüber hinaus. Sechs Schuljahre bis zur Hochschulreife soll es mit mehreren Klassen pro Schuljahr geben. Eine Schule soll es sein, in der die Mädchen gerne lernen und sich wohl fühlen mit einem guten Standard. Das Miteinander in der Schule soll vom christlichen Geist geprägt sein, der bei den Schülerinnen nicht nach der Religion fragt.

Jetzt sind die Mädchen und jungen Frauen an der Reihe: Ladies first!