Hoffnung für die (Aids-)Waisen in Dar es Salaam

Alle Augen sind auf die Kleinen gerichtet: Freude beim Kindertag
Alle Augen sind auf die Kleinen gerichtet: Freude beim Kindertag
Mary mit ihrer Großmutter
Mary mit ihrer Großmutter

"Vergiss nicht, heute früher zu kommen und dich um deine jüngeren Geschwister zu kümmern", ruft Nemes' Mutter dem Jungen nach. Es ist fünf Uhr morgens und der junge Tansanier, der in Dar es Salaam lebt, macht sich gerade auf zur Schule. Um Geld zu sparen, nimmt er einen einstündigen Fußweg auf sich. Seit sein Vater gestorben ist, müssen alle in seiner Familie mitanpacken. Nemes hilft nach seinem Schulbesuch im Haushalt und passt auf seine Geschwister auf. Der ehrgeizige Junge, der später einmal Buchhalter werden möchte, hatte Glück: Er ist eines von 200 Kindern und Jugendlichen, die einen Platz im Waisenprogramm der Herrnhuter Missionshilfe bekommen hat. Junge (Halb-) Waisen aus sozial schlechter gestellten Familien haben hierdurch die Möglichkeit, weiterhin zur Schule zu gehen. Denn für viele ist nach der siebenjährigen Schulpflicht in Tansania Schluss mit Bildung: Hat die Familie wenig Geld, warten Haushalt und Feldarbeit, oft auch Armut und Chancenlosigkeit, auf die Jugendlichen.

Auch die 15-jährige Mary hat es nicht leicht: Sie lebt bei ihrer Großmutter, ihre Eltern sind beide verstorben. In dem Haus ihrer Großmutter wohnt sie mit ihren Geschwistern und teilt sich sogar das Bett mit der Oma. Sie ist dennoch ein zufriedener und selbstbewusster Teenager, der gerne die Schule besucht. "Ich möchte einmal Ärztin werden", erzählt sie der Betreuerin des Projekts. Zwei Mal jährlich werden die Kinder zu Hause besucht, um sich ein Bild von deren Umfeld und persönlicher Situation zu machen. Am "Childrens day" (Kindertag) bekommen die jungen Menschen einmal jährlich neue Kleidung, Schulmaterialien und Hygieneartikel - ein großer Tag für die Kleinen. 

Dank Ihrer Unterstützung ist es uns möglich, diese zielstrebigen jungen Tansanier auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft zu begleiten.

Patenkinder in Dar es Salaam

Agnes Chelangwa & Talibumi Mwaiseje betreuen das Patenschaftsprogramm vor Ort
Agnes Chelangwa & Talibumi Mwaiseje betreuen das Patenschaftsprogramm vor Ort

„Was wird jetzt aus den Kindern?“, fragt sich Agnes Chelangwa, die zusammen mit ihrer Kollegin Talibumi Mwaiseje Kinder aus benachteiligten Familien betreut. Sieben Jahre lang haben die Beiden 200 Kinder während ihrer Grundschulzeit betreut. Jetzt verlassen die ersten die Grundschule.

Seit einigen Jahren gibt es ein Unterstützungsprogramm für Kinder in der Grundschule in Dar es Salaam und Umgebung. Das Programm wird von den Rotariern gefördert und läuft in Kürze aus. Die ausgewählten Kinder, meist Halb- oder Aidswaisen oder Kinder aus schwierigen Familienkonstellationen werden finanziell unterstützt. Aktuell werden aus 200 Kindern die 20 mit den besten schulischen Leistungen ausgewählt. Ziel ist, deren weitere Schul- und Berufsausbildung nach der Grundschule zu gewährleisten. Durch eine Patenschaft sollen Schulgebühren, Unterrichtsmaterial sowie notwendige Schulkleidung bezahlt werden. Bei den Kindern handelt es sich um Mädchen und Jungen im Alter von 11 bis 14 Jahren, die entweder Voll- oder Halbwaisen sind, bei ihren Verwandten leben, teilweise HIV/Aids-infiziert und im Hinblick auf ihre finanzielle und gesellschaftliche Situation benachteiligt sind. Auch muslimische Kinder werden unterstützt. Kinder, die gute schulische Leistungen aufweisen, sollen daher in besonderem Maße gefördert werden, um ihre Potentiale auszuschöpfen und ihnen Perspektiven zu bieten.

Der tansanische Staat gewährleistet jedem Kind die ersten sieben Schuljahre – der Grundschulbesuch ist kostenlos. Danach werden Gebühren erhoben. „Genau hier fängt es an, schwierig zu werden, allen Kindern eine weiterführende Schulbildung zu ermöglichen“, berichtet Chelangwa weiter. „Viele Kinder sind auf sich allein gestellt, tragen zum Einkommen der Familie bei. Vor allem Mädchen werden oft verheiratet, so dass die Familie finanziell versorgt ist. Frühe Schwangerschaften und Abhängigkeiten sind die Folge“, so die Betreuerin.

Um die Kinder zu schützen, werden sogenannte „guardians“, die Bezugspersonen der Kinder, in Workshops geschult, wie sie für die Kinder optimal sorgen oder ein Kleingewerbe betreiben können. Den Kindern wird durch die finanzielle Unterstützung notwendiges Schulmaterial zugesichert, medizinische Versorgung ermöglicht und sie erhalten die in Tansania übliche Schuluniform, ebenso wie notwendige Hygieneartikel.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Sie helfen können: Schon mit 50 € im Monat kann eine Patenschaft für ein Kind übernommen werden. Sie können auch einen Betrag Ihrer Wahl festlegen. Die Dauer der Unterstützung hängt davon ab, was den Kindern damit ermöglicht werden soll.

Mit einer ein- bis zweijährigen Unterstützung kann einem Kind eine Berufsausbildung gewährleistet werden. Eine vier- bis sechsjährige Unterstützung dient dazu, dem Kind den Besuch einer weiterführenden Schule zu ermöglichen. Sie können auch mit einem Betrag unter 50 € und einem Zeitraum Ihrer Wahl dafür sorgen, dass ein Kind medizinische Betreuung und die notwendigen Dinge, wie eine Schuluniform oder Unterrichtsmaterialien, erhält.