Auch nach dem offiziellen Ende des Kirchenasyls in Herrnhut geht es weiter

Ungefähr sechs Monate hat eine Großfamilie aus dem Irak im Kirchenasyl in Herrnhut verbracht. Nun freuen sich die Frauen, Männer und Kinder, dass sie einen Asylantrag in Deutschland stellen konnten und das Kirchenasyl damit offiziell beendet ist. Wie es genau weitergeht, ist noch ungewiss, trotzdem sind sie sehr dankbar für die viele Hilfe, die ihnen durch die Brüdergemeine zuteilwurde und wird. Wir wünschen uns, dass die geflüchtete Familie mit unserer Hilfe in Deutschland Fuß fassen kann und bedanken uns herzlich für alle Spenden, die uns für diese Arbeit erreicht haben. Sie haben uns geholfen zu Helfen. Auch weiterhin fallen noch Kosten zum Beispiel für die Unterkunft an. Deshalb werden Spenden, die aktuell für das Kirchenasyl eingehen für diese Ausgaben verwendet.  

„Wir helfen ihnen vor allem bei der Flut von Antragsformularen, die ausgefüllt werden müssen. Wir bauen Brücken zur Schule und zum Kindergarten, wo die größeren Kinder Aufnahme fanden, wir helfen bei der Suche nach Möbeln und Haushaltsgeräten und wir stellen ihnen zur Zeit immer noch Wohnraum in unseren Häusern zur Verfügung.“ Das berichtet Andreas Tasche über die Arbeit der Brüdergemeine mit der Flüchtlingsfamilie. 

Erklärung der Evangelischen Brüder-Unität zum Kirchenasyl in Herrnhut

Seit Sonntag, dem 17. Juli 2016, befinden sich Mitglieder einer Großfamilie aus dem Irak, insgesamt 17 Männer, Frauen und Kinder, in Herrnhut im Kirchenasyl. Asylgeberin ist die Evangelische Brüder-Unität, die am 16. Juli 2016 einen entsprechenden Beschluss gefasst hat. Die zuständigen Dienststellen und Behörden wurden über den Beginn des Asyls informiert. Bei den im Asyl lebenden Menschen handelt es sich um orthodoxe Christinnen und Christen, die als Kontingentflüchtlinge nach Tschechien gekommen waren. Nach diversen Konflikten um die Asylbedingungen in den tschechischen Unterkünften reiste die Großfamilie, darunter mehrere Personen mit gesundheitlichen Problemen, weiter nach Deutschland. Gemäß den Bestimmungen des Dublin-III Abkommens war die Familie in Deutschland nicht asylfähig. Eine Klage gegen die Rückführung nach Tschechien blieb in letzter Instanz erfolglos, so dass die Familie jeden Moment mit ihrer zwangsweisen Abschiebung aus Deutschland rechnen musste. Da eine Rückführung aus Tschechien in den Irak nicht ausgeschlossen werden konnte, bestand nach Auskunft der betreuenden Rechtsanwältin Gefahr für Leib und Leben. Einer über private Kontakte an die Brüder-Unität herangetragenen Bitte um Kirchenasyl wurde darum sehr kurzfristig entsprochen.
In Herrnhut wird die irakische Großfamilie von einem ökumenischen „Arbeitskreis Kirchenasyl“ unter Leitung von Andreas Tasche betreut. Die Leitungsverantwortlichen, die in enger Abstimmung mit der Direktion der Evangelischen Brüder-Unität handeln, und die verschiedenen Untergruppen (Einkäufe/alltägliche Versorgung/Gesundheit/medizinische Versorgung/Presse/Dokumentation/Deutschunterricht/Kinderbetreuung/ Geselliges/geistliche Angebote) treffen sich in der Regel mindestens einmal täglich. Sofort mit Beginn des Kirchenasyls wurde mit der betreuenden Anwältin sowie mit weiteren Asyl-Experten Kontakt aufgenommen, um so schnell wie möglich eine Lösung für diesen Kirchenasyl-Fall zu finden. Aus Sicherheitsgründen hat die Kirchenleitung eine umfassende Informationssperre verhängt, deshalb werden momentan keinerlei Auskünfte erteilt.


Herrnhut, 26. Juli 2016 Direktion der Evangelischen Brüder-Unität, Herrnhuter Brüdergemeine