Anhaltendes Engagement in der Flüchtlingsarbeit

Alle Brüdergemeinen in Deutschland engagieren sich in irgendeiner Weise für Flüchtlinge. Das beginnt mit der Bereitstellung von Wohnraum und dem Sammeln von Fahrrädern, Möbeln, Kleidungsstücken und anderen Gebrauchsgegenständen, umfasst die allgemeine Beratung von geflüchteten Menschen, das Erteilen von Deutschunterricht, die Begleitung beim Besuch von Behörden und endet mit der Durchführung von Gottesdiensten und Begegnungsveranstaltungen, bei denen es um die Kommunikation mit Flüchtlingen geht.

„Es ist eine große Herausforderung, Flüchtlinge kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland und während ihres Asylverfahrens zu begleiten“, erzählt Andreas Tasche, der Flüchtlingsbeauftragte der Brüder-Unität. Die meisten Flüchtlinge sind zunächst vollkommen orientierungslos. Viele befinden sich aufgrund der Bedrohungssituation in ihrer Heimat, ihrer Fluchterfahrungen und der Trennung von ihren Familienangehörigen in psychischen Krisensituationen. Doch auch dann, wenn Flüchtlinge in Deutschland bereits Asyl bekommen haben, benötigen sie Unterstützung. Kaum jemand versteht die seitenlangen Schreiben der deutschen Behörden. Kaum jemand kann sich auf dem freien Markt allein eine Wohnung suchen. Kaum jemand kommt mit der Eröffnung eines Girokontos, mit einem Krankenversicherungsantrag, mit einem Antrag auf Umverteilung in ein anderes Bundesland, mit einem Kindergarten- oder Schulaufnahmeantrag und mit den vielen darauf ergehenden Bescheiden zurecht. Flüchtlingskinder brauchen die für sie vorgeschriebenen Untersuchungen, Impfungen, eine Brille oder eine Zahnbehandlung. Erwachsene brauchen Hinweise, wie sie zu weiterführenden Deutschkursen, zu günstigen Tickets im ÖPNV  und zu einer Arbeit auf dem ersten oder zweiten Arbeitsmarkt kommen. Hier überall tun Mitglieder der Brüdergemeine, was ihnen möglich ist.

Hilfe für Sonderaktivitäten

23 Frauen und Kinder aus Syrien leben im Haus einer Herrnhuter Gemeinde in Süddeutschland. Die Grundversorgung gewährleistet das Landratsamt. Für Sonderaufgaben aber steht kein Geld zur Verfügung. Dazu gehören zusätzlicher Sprachunterricht, Betreuung der Kinder und Jugendlichen in der Freizeit, Materialien zum Spielen, Lernen, und für den Sport, sowie Ausflüge in die Umgebung. „Jede Spende“,  erklärt die Betreuerin, die von 30 Ehrenamtlichen unterstützt wird, „schafft Luft für neue Möglichkeiten.“

Unterstützung für Flüchtlinge in der Brüdergemeine

Flucht und Elend – Aufnahme und Hoffnung: Bald ist es soweit und eine Gruppe von Flüchtlingen aus dem Irak wird innerhalb der Brüdergemeine in Süddeutschland aufgenommen. Die ungefähr 25 jungen Kurdinnen und ihre Kinder, die vor der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) geflohen sind, waren dem für uns schier unvorstellbaren Terror des IS ausgesetzt. Viele mussten miterleben, wie ihre Väter und Brüder ermordet wurden oder haben am eigenen Körper Gewalt zu spüren bekommen. Da es im Irak nur sehr wenige sozialer Einrichtungen gibt, die sich der seelischen Wunden dieser traumatisierten Frauen und Kinder annehmen können, werden einige der Flüchtlinge bei uns in Deutschland behandelt und untergebracht. Hier sollen sie durch eine Therapie langsam in einen „normalen Alltag“ zurückfinden, sie sollen lernen, mit dem Erlebten umzugehen und sich neu zu ordnen. All dies ist nur durch die engagierten Menschen vor Ort, viele Haupt- und Ehrenamtliche im sozialen, medizinischen und seelsorgerlichen Bereich und durch Ihre Spende möglich.

Gemeinsame Tage für 22 Flüchtlinge über den Jahreswechsel in Herrnhut

Großen Zuspruch fanden vor allem die Volleyball-, Tischtennis- und Billardspiele

Wer an diesem Abend mit dabei ist, der vergisst die aufmerksam-fröhlichen Gesichter von 22 jungen Menschen aus sechs Ländern so schnell nicht. Im Herrnhuter Gästehauses „Komenský“ treffen die Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea, dem Irak, dem Kosovo, Pakistan und Somalia auf 15 Herrnhuter Gemeindeglieder. Mit großer Freude spielen die Männer, Frauen und Kinder „Wir packen einen Koffer“. Sinnbildlich werden eingepackt: Notizblock, Brille, Taschentuch, Mütze, Bonbons, Kopfhörer, Bibel. Insgesamt sind es 32 Dinge, die sich die Flüchtlinge - manchmal mit etwas Hilfe - in einer fremden Sprache merken.

Der gesellige Abend ist der Abschluss von fünf gemeinsamen Tagen, die die 22 Flüchtlinge aus Löbau im winterlichen Herrnhut erleben. Sie genießen es, eine Dusche für zwei statt für 40 Personen zu haben. Sie freuen sich, im Doppelzimmer  statt im Sechsbettzimmer zu leben und sie sind überrascht, wie leicht Sprachbarrieren zu überwinden sind.

Die Herrnhuter haben sich ein abwechslungsreiches Programm ausgedacht. Geboten werden zwei Stadterkundungen mit Ausflügen in die Umgebung, dazu  Museumsbesuche. Besonderen Anklang finden die Volleyball-, Tischtennis- und Billardspielen.

Drei Viertel von ihnen lassen sich zu Gottesdiensten in der Silvesternacht und am Neujahrstag in den Herrnhuter Kirchensaal einladen.

Integration ist eine langfristige Aufgabe, und so sind bereits die nächsten Veranstaltungen in Herrnhut geplant. Sie werden ausschließlich von Spenden getragen. Wer sich daran beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen.

Asylsuchende im KOMENSKÝ

Flüchtlingsfamilie aus Serbien
Flüchtlingsfamilie aus Serbien

Kurzurlaub für Asylsuchende – wo gibt es das? Viele junge Familien müssen sich oft monatelang gedulden, bis sie eine Antwort auf ihren Asylantrag erhalten. In dieser Phase dürfen sie die Stadt, in der sie untergebracht sind, nicht verlassen und haben wenige Chancen, Kontakt zu den Einheimischen aufzunehmen oder ihre Umgebung näher kennen zu lernen. Im Herrnhuter Gästehaus KOMENSKÝ sollen über den Jahreswechsel hinweg Flüchtlinge einen Ausgleich von Kaserne und Plattenbau erhalten und wieder Kraft und Zuversicht tanken. Eine Gruppe Freiwilliger aus Herrnhut wird sich um die Asylsuchenden kümmern und mit ihnen Ausflüge unternehmen.