Brüdergemeine in Albanien feiert 25 jähriges Bestehen

v. links: Viola Grillo, Vjollca Mazi und Merita Meko
Jubiläumsfeierlichkeiten
Die Losungen sind täglich in Gebrauch
In vielen Städten in Albanien leben die Menschen in Armut
Alte Verkehrswege
Gemeindeleben

Wie weit ist Albanien von uns entfernt? Mit dem Flugzeug sind es nur zwei, mit dem Auto ca. 21 Stunden, bis man das kleine Land in Südosteuropa erreicht. Etwas abseits gelegen wird der Staat, der oberhalb von Griechenland und unterhalb des Kosovo und Mazedonien liegt gerne vergessen. In diesem Sommer reisten einige Gäste aus der ganzen Welt nach Albanien, um dort am 17.Juni 2018 das 25jährige Jubiläum der Brüdergemeine in Albanien zu feiern.

In den 1990er Jahren hatte alles mit drei Frauen angefangen: Viola Grillo, Vjollca Mazi und Merita Meko (s. Bild), sie organisierten Treffen mit Frauen und Kindern in ihrem Wohnzimmer. Der herzliche Glaube und das große Engagement für Kinder und Jugendliche führten dazu, dass die Gruppe schnell wuchs.

Mit Spendengeldern konnte in einem Geschäftshaus in Tirana eine Etage als Gemeindezentrum erworben werden. Daraus wuchsen vier Gemeinden in unterschiedlichen Städten, die heute auch zwei Kindergärten und ein Förderprogramm für Kinder mit Behinderung tragen.

„Es hat mich besonders beeindruckt, den Powerfrauen zu begegnen, die dort die Kirche aufgebaut haben. Auch heute noch sind Frauen, Kinder und Jugendliche der überwiegende Teil der Gemeinde“. Erzählt Raimund Hertzsch von seinem Besuch in Albanien.

Die Losungen sind ein wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens

Auch die Losungen werden seit 2005 von Frauenhand übersetzt. Inzwischen ist Elona Mandro dafür zuständig. Sie schreibt: „Die Losungen, Fjalët e Ditës (übersetzt: Worte für den Tag) sind zu einem wichtigen Baustein in unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geworden. Am Anfang haben wir die Bücher nur verschenkt, inzwischen können wir aber auch ein paar Exemplare verkaufen. Doch die Not ist bei uns immer noch groß, viele Menschen leben in großer Armut und können sich darum auch kein Buch leisten.“ Berichtet die junge Frau. „Dass die Losungen kontinuierlich jedes Jahr herausgegeben werden ist für uns ein Segen. Die Kinder lernen so die ganze Bibel kennen und sie lernen die Texte mit dem Herzen kennen. Dadurch, dass die Kinder die Losungen lesen, kommen auch die Erwachsenen in Kontakt mit der Gemeinde und werden nicht selten Teil davon. Daneben finde ich es aber auch wichtig, dass jeder die Texte für den Tag für sich lesen und so seinen ganz persönlichen Glauben finden kann.“ Die Losungsarbeit in Albanien wird auch weiterhin von der Losungsspende unterstützt. „In unseren momentanen wirtschaftlichen Umständen ist es nicht möglich, die Losungen ohne Hilfe herauszugeben. Wir sind sehr sehr dankbar dafür, dass diese Hilfe unter Geschwistern im Glauben möglich ist. Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin darin, dieses für unsere Kirche und das Glaubensleben so wichtige Buch herauszugeben. Vielen Dank!“

Chance für behinderte Kinder in Albanien

Klajdi mit Freunden im Kindergarten in Elbasan

Adissa und Redon sind wie vor den Kopf gestoßen als sie von ihrem Arzt erfahren, dass ihr Kind Klajdi an einer unheilbaren Krankheit leidet. Über viele Umwege begegnet ihnen Irena, eine
Kinderpsychologin in Elbasan. Irena gehört – wie die Familie von Redon – zu den Herrnhutern in Albanien. Die albanische Stadt Elbasan war zur Zeit des kommunistischen Systems eine Stadt der Schwerindustrie. Mensch und Umwelt waren extremen Belastungen ausgesetzt. Missgebildete Kinder und Tiere wurden geboren. Krebserkrankungen nahmen zu. Seit dem Zusammenbruch des Systems ist Elbasan als industrielles Zentrum nahezu bedeutungslos. Was bleibt sind die mit Schwermetall verseuchten Körper der Menschen. Immer noch werden Kinder ohne Gliedmaßen und mit anderen Missbildungen geboren, und die Zahl der Krebserkrankungen ist überdurchschnittlich hoch.
In dieser Umgebung lebt und arbeitet die 42jährige Irena. „Ich kenne eine ganze Reihe von Kindern mit ähnlichen Erkrankungen wie Klajdi.“ In Kleingruppen fördert Irena diese ein Mal in der Woche. Eigentlich sollten sie täglich gemeinsam üben. „Dafür fehlen uns leider die Mittel“, erklärt Irena. „Zunächst bräuchten wir dringend eine Erzieherin und passende Räumlichkeiten. Die Räume könnten wir gleichzeitig für unsere Gemeinde nutzen. Bisher treffen wir uns bei mir zu Hause. Doch
bei schlechtem Wetter, wenn wir nicht in den Garten können, wird es in meinem Wohnzimmer einfach zu eng.“ Entscheidend aber ist die Not der Eltern und Kinder, die dringend gefördert und begleitet werden sollten. Je früher eine Behinderung entdeckt und behandelt wird, desto besser
sind die Erfolge.

Hoffnung für Albaniens Kinder

Kreatives für die Kinder
Kreatives für die Kinder
Kinder mit ihren Erzieherinnen in Pogradec
Kinder mit ihren Erzieherinnen in Pogradec

"Frühstück ist fertig", hallt es durch den Gang des Kindergartens in Pogradec. Es ist die Stimme der Erzieherin Nazime Llapushi, die um 7h45 die Mädchen und Jungen zum gemeinsamen Frühstück bittet. "Um 7h30 werden die Kinder zu uns gebracht. Meistens sind sie bis 14 Uhr hier", so Llapushi. Die erfahrene albanische Erzieherin weiß, dass es nicht nur für die Kinder wichtig ist, einen geregelten Alltag zu haben: "Viele Eltern, vor allem die Mütter, arbeiten in dieser Zeit oder begeben sich auf die Suche nach einer Arbeitsstelle. Sie wissen, dass sie ihre Sprösslinge getrost bei uns abgeben können", meint sie: "Wir essen, malen und spielen mit den Kindern. Außerdem erzählen wir ihnen Geschichten aus der Bibel".

In Burrel freuen sich die Kinder, dass sie einen großen Garten zum Spielen zur Verfügung haben. "Wir möchten den Kindern die Natur zeigen. Viele sind nur sehr selten draußen", berichtet Lindita Skonja, Erzieherin in Burrel. Vor allem Bastelartikel zur Beschäftigung der Kinder werden benötigt. "Viele Eltern lassen ihre Kinder zu Hause, um die Kindergartengebühren zu sparen. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und Armut wollen sie jede Gelegenheit nutzen, um zu sparen", so Skonja. Dadurch haben die Kinder nur wenig soziale Kontakte und haben es schwerer, wenn sie in die Schule kommen. "Dank der Unterstützung aus Deutschland können wir hier und in Pogradec unseren Betrieb aufrecht erhalten und die Kinder optimal versorgen. Unser größtes Anliegen ist es, ihnen einen sorglosen Start in ihr Leben zu ermöglichen", so die Albanerin: "Faleminderit!*" (*Danke auf Albanisch)

Kindergärten in Pogradec und Burrel

Kinder und Betreuerinnen
Kinder und Betreuerinnen
Die ersten Buchstaben
Die ersten Buchstaben

Bunte Striche, kreuz und quer - ab und zu erkennt man den ersten Buchstaben, den ein Kind im Kindergarten in Pogradec aufs Papier bringt. Die Lutherisch-Brüderische Kirche unterhält in Albanien zwei kleine Kindergärten, einen in Pogradec, einer Stadt am südwestlichen Rand von Albanien und einen in Burrel, einer Stadt im Bergland in der Mitte Albaniens. Die Kinder, die den Kindergarten in Pogradec besuchen, stammen aus einem Viertel, das erst in den letzten 15 Jahren entstanden ist. Die Familien, die dort leben, haben ihre Heimatdörfer verlassen, um in der Stadt ein besseres Leben aufzubauen. Allerdings gibt es auch hier nicht viele Arbeitsplätze und so ist die Arbeits- und Hoffnungslosigkeit oft sehr hoch. Den Kindern will man im Kindergarten trotz dieses Umfeldes einen guten Start ins Leben ermöglichen. So stehen in der Vorschule neben Singen, Basteln und Geschichten erzählen auch das Erlernen der ersten Buchstaben und Zahlen auf dem Stundenplan. Jedes Kind bekommt deshalb auch ein „Bildungs-set“ geschenkt. Dieses besteht aus Lehrbüchern, Schreibheften sowie Schreib- und Malutensilien.
Zur Finanzierung dieser Pakete hat die Gemeinde in Albanien um die Hilfe der Brüdergemeine in Deutschland gebeten.

Nothilfe bei Betroffenen in Albanien angekommen

Lager mit Lebensmitteln
Lager mit Lebensmitteln
Verteilung eines Rollstuhls
Verteilung eines Rollstuhls

Starke Regenfälle führten Anfang des Jahres im Südosten von Albanien zur Überflutung von Häusern und ganzen Dörfern. Die Herrnhuter Missionshilfe griff rasch ein - und sagte 5.000 Euro Soforthilfe zu. Davon verteilten die albanischen Schwestern und Brüder vor allem Lebensmittel wie Mehl, Öl, Teigwaren, Zucker und Reis an die betroffenen Familien. Auch Kleidung und Rollstühle für Menschen mit Behinderungen wurden bereit gestellt.

Die Losungen verbinden

Sommercamp für Jugendliche
Sommercamp für Jugendliche
Dena Fortuzi ist begeisterte Losungsleserin
Dena Fortuzi ist begeisterte Losungsleserin

"Im Sommercamp kamen junge Menschen aus unterschiedlichsten Teilen des Landes zusammen", berichtet Dena Fortuzi, Mitarbeiterin der Brüder-Unität in Albanien. "Besonders beeindruckend war, dass wir die Losungen jeden Tag zu Beginn und am Ende der Veranstaltung hörten. Neben all dem Kreativen und den vielen Spielen enstand eine Kontinuität für die Jugendlichen. Das verbindende Glied innerhalb der evangelischen Kirchen in Albanien sind die Losungen", so Fortuzi.  

Tatkräftiger Einsatz

Merita Meko

Merita Meko begeistert sich seit 2004 für die Losungen und will sie unbedingt für die christlichen Gruppen und Gemeinschaften in Albanien herausbringen. Beharrlich arbeitet sie daran, dass in wenigen Monaten die erste Übersetzung steht. Zehn Jahre zuvor hat sie mit Verwandten und Freunden die erste Gruppe gegründet, die nach dem Ende des Sozialismus ein neues christliches Fundament für sich und ihre Kinder wollten. Daraus entstanden Gemeinden in ganz Albanien, inzwischen mit einem eigenen Zentrum. Sie haben ihre Wurzeln bei den Lutheranern und Herrnhutern. Die Betriebswirtin Meko hat die Arbeit an den Losungen inzwischen an jüngere Leute übergeben. Aus ihrem Alltag sind die Losungen nicht mehr weg zu denken. „Sie sind ein Segen“, meint sie. „Egal, ob ich damit Sitzungen eröffne, oder sie in die Gefängnisse mitnehme, immer spüre ich, dass Menschen bereit sind, Gottes Wort zu hören und zu lesen.“

Die Losungsspende engagiert sich außerdem für die Gemeindezentren in Pogradec am Ohridsee und Burrel, nordwestlich von Tirana in den Bergen, damit insbesondere die dortigen Kindergärten gut arbeiten können.