Besuch aus Mbozi und Mbeya in Bad Boll

Br. Mwasile (Mbeya), Dorothea Weller, Sabine Bühler (Bad Boll) und Dr. Mkoma (Mbozi)
Br. Mwasile (Mbeya), Dorothea Weller, Sabine Bühler (Bad Boll) und Dr. Mkoma (Mbozi)

Bei strahlendem Sonnenschein trafen am Freitag, den 23. Mai, zwei Herren aus Tansania in Bad Boll ein: Dr. Mkoma, Chefarzt des Krankenhauses in Mbozi, und Br. Mwasile, Generalsekretär aus Mbeya. Über das HIV/Aids-Zentrum erzählte uns Dr. Mkoma: "Wir betreuen über 700 Menschen, die von nah und fern zu uns kommen. Sie erhalten ihre Medikamente und können sich regelmäßigen Blutuntersuchungen und Behandlungen unterziehen". Workshops werden ebenfalls angeboten: "Wir gehen in die Schulen oder in die Dörfer. Das Thema "Aids" soll endgültig enttabuisiert werden", ergänzt der Tansanier. Für das Waisenhaus soll ein Neubau entstehen, um "die Kinder nach Alter und Geschlecht unterzubringen und ihnen einen besseren Spiel- und Entfaltungsraum zu gewährleisten", meinte der Chefarzt. Die Krankenpflegeschule hat ein neues Labor bekommen. Noch fehlen Ausstattung und Möblierung. Für die meist weiblichen Auszubildenden soll ein Zaun gebaut werden, um die Sicherheit in ihren Unterkünften zu gewährleisten. "Dank der Unterstützung aus Europa können wir unsere Vorhaben verwirklichen", so der tansanische Arzt.

Einblick in ein Krankenhaus in Tansania

Eingangsbereich des Krankenhauses
Eingangsbereich des Krankenhauses
Außenbereich des Krankenhauses
Außenbereich des Krankenhauses
Wartebereich der Ambulanz
Wartebereich der Ambulanz
Lager für HIV-/Aids-Medikamente
Lager für HIV-/Aids-Medikamente
Joyce Joshua Lyangwa, die Leiterin der Krankenpflegeschule
Joyce Joshua Lyangwa, die Leiterin der Krankenpflegeschule
Teil des Gebäudes der Krankenpflegeschule
Teil des Gebäudes der Krankenpflegeschule
Rahel Mwapule betreut die Waisenkinder
Rahel Mwapule betreut die Waisenkinder
Die Waisenkinder beim Spielen
Die Waisenkinder beim Spielen

Karibu!

Wie sieht es in einem tansanischen Krankenhaus aus? Im Rahmen einer Begegnungsreise im Juli und August 2013 habe ich in einer Kleingruppe die Möglichkeit, das Krankenhaus Mbozi zu besuchen. Wir fahren ungefähr eine Stunde off-road, um von der nächst gelegenen Stadt mit Straßenanbindung nach Mbozi zu gelangen.

Nein, die Welt ist hier noch nicht zu Ende. Auch, wenn es teilweise so scheint. Vereinzelt sind Häuser zu sehen, für europäische Augen willkürlich in die „Wildnis“ gebaut. Viele Felder sind zu erkennen, auf denen Frauen Mais oder Cassava anpflanzen. Nach einer ziemlich holprigen Fahrt auf einem von Schlaglöchern übersäten und endlos scheinenden Weg treffen wir in Mbozi ein.

Wie in Tansania üblich werden wir herzlich begrüßt und zu einem Eintrag ins Gästebuch des Krankenhauses gebeten. Es wird uns eine Führung durch das Krankenhaus gewährt. Wir sind neugierig und zugleich ein wenig aufgeregt, was uns erwarten wird. Wie ist es in einem Krankenhaus in Afrika? Im Außenbereich mit einer kleinen Parkanlage sehen wir Frauen, die sich um ihre Angehörigen kümmern. Sie kochen für die Kranken und helfen ihnen bei der Körperpflege.

In Deutschland sehen Krankenhäuser anders aus. Steril, unpersönlich, befremdlich. Wir sind positiv überrascht. Es gibt keine direkten Stationen, aber zum Beispiel einen eigenen Krankenhaustrakt für Kinder und auch einen für Frauen, die sich kurz vor der Geburt befinden.

Eine Ambulanz darf nicht fehlen. Im dazugehörigen Wartebereich werden die Patienten den jeweiligen Fachärzten zugeteilt.

Zudem gehört eine HIV-/Aids-Beratungsstelle dazu. Vor allem Frauen kommen, um sich behandeln zu lassen. Nach der Registrierung folgt ein dreitägiger Kurs, bei welchem die Teilnehmenden über ihre Krankheit und den Umgang damit aufgeklärt werden. Die Kosten der notwendigen Medikamente übernimmt der tansanische Staat. Da viele junge Menschen zu den Patienten gehören, hat das Krankenhaus in seinem Medikamentendepot zusätzliche HIV-Medikamente für Kinder und Jugendliche vorrätig.

Nach Einnahme der Arznei können jedoch viele Nebenwirkungen auftauchen. Hautprobleme, sogar die Veränderung der Haut in dunklere Nuancen, können mögliche Folgen sein. Eine große Herausforderung stellt neben dem Eingeständnis, von HIV-/Aids betroffen zu sein, weiterhin die Stigmatisierung innerhalb der Gesellschaft dar. Vereinzelt finden Aufklärungsprogramme an Schulen oder bei Versammlungen der Frauen statt.

Eine Krankenpflegeschule, die einen sehr guten Ruf genießt, befindet sich im Gebäude neben dem Krankenhaus. Joyce Joshua Lyangwa, die Leiterin der Schule, die gleichzeitig hier unterrichtet, begrüßt uns und beantwortet unsere Fragen.

Es gibt mehr Nachfrage als Ausbildungsplätze. 208 Personen absolvieren aktuell ihre Ausbildung, davon 22 junge Männer. Der Unterricht findet auf Englisch statt. Ein praktischer Teil im Krankenhaus ist vorgeschrieben. Die Auszubildenden teilen sich das Unterrichtsmaterial oder leihen die Bücher bei ihren Lehrern aus. Mit dem Abschluss der Ausbildung sind die Absolventen Krankenschwester bzw. Krankenpfleger und Hebamme. Ein Labor befindet sich im Neubau. Es gibt ein Austauschprogramm mit Auszubildenden aus Malawi und Sambia. Die Unterkunft und Verpflegung müssen die Schüler selber bezahlen, die Kosten belaufen sich auf ungefähr 1.000 Euro pro Jahr und Auszubildenden. Wieder ein Unterschied zu uns in Deutschland: Hier bekommen Auszubildende eine Vergütung, in Ländern wie Tansania bezahlen Menschen für jegliche Art von Bildung. Auf die Frage, an was es der Schule fehlt, bekommen wir keine überraschende Antworten: Es seien zu wenig Lehrer an der Schule. Der Transport zu den abgelegenen Dörfern, in denen die Schüler wohnen, sei schwierig. Ein erweitertes Angebot an Unterrichtsmaterialien und ein Internetzugang werden angestrebt. Solarenergie soll die Generatoren ablösen.

Für ein Krankenhaus in einer abgelegenen Gegend ist es schwierig, das richtige Personal zu finden. Viele Menschen wollen lieber in der Stadt arbeiten oder in einer stärker besiedelten Gegend leben. Viele Patienten, auch viele schwangere Frauen, nehmen weite Fußmärsche auf sich, um zum Krankenhaus Mbozi zu gelangen.

Ein Waisenhaus gehört auch zum Krankenhaus. Wenn Frauen bei der Geburt sterben, fehlt es den Familien an finanziellem Rückhalt. Die Säuglinge brauchen eine intensive Betreuung und den teuren Muttermilchersatz. Daher werden die betroffenen Kinder für zwei Jahre hier untergebracht. Oft haben sie danach die Chance, zu ihren Familien oder den noch vorhandenen Familienmitgliedern zurückzukehren. Für feste Nahrung können ihre Familien eher sorgen als für spezielle Säuglingsnahrung. Rahel Mwapule begrüßt uns am Eingang. Sie ist die Betreuerin der Kinder. Sie wirkt sanftmütig und doch sehr bestimmt auf uns.

Es werden im Moment elf Kinder betreut, davon vier Säuglinge im Alter von vier bis sechs Monaten. Beim Anblick der Kinder und des Raums, in dem sie untergebracht sind, bricht es uns fast das Herz. In einem einzigen Raum stehen elf Bettchen nebeneinander. Die Kinder haben weder Spielsachen noch passende Kleidung. Die Pflegerinnen sind dreischichtig im Einsatz, um die Kinder gut zu versorgen. „Es wäre schön, wenn wir draußen einen geschützten Bereich für die Kinder hätten. Dann könnten sie dort spielen“, erzählt uns Rahel Mwapule. „Wir hätten gerne mehr Unterstützung. Eine weitere Pflegekraft wäre toll. Dann könnten wir uns noch intensiver mit den Kindern beschäftigen“, so Mwapule. Die Kinder haben sich über unseren Besuch gefreut. Es gibt nur wenige Menschen, die sie sonst besuchen kommen. Wenn alles gut verläuft, soll das Waisenhaus erweitert werden. Es gibt viele Waisenkinder in der Gegend. Wir sind sehr nachdenklich geworden.

Auf dem Weg zu unserem Fahrer, der in seinem Geländewagen auf uns wartet, treffen wir auf Frauen, die für ihre Angehörigen kochen. Stolz zeigen sie uns ihre „Küche“ – eine Art Backhaus, klein, sehr eng und für unsere Begriffe sehr dunkel. In einem kleinen Haus nebenan ist ihre Unterkunft. Ungefähr zwanzig Menschen teilen sich einen Raum, jeder hat einen winzigen Bereich für sich. Eine Matte zum Schlafen, ein paar Kleidungsstücke, eine Zahnbürste – das ist alles, was die Frauen mit sich genommen haben. Sie pflegen ihre Angehörigen. Dafür opfern sie viel. Wie lange sie bleiben, wissen sie nicht. Bis zur Genesung ihrer Angehörigen jedenfalls. Wir denken an Deutschland. Lange Krankenhausflure, Anonymität, Kälte. Wir können sie spüren – die Wärme, die von den Menschen hier ausgeht und den kranken Menschen sicher hilft, schon bald wieder gesund zu werden.

Asante sana, Afrika.

Bitte unterstützen Sie das Krankenhaus in Mbozi mit seiner Krankenpflegeschule und dem Waisenhaus – um den Menschen auf dem Land eine gute medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Verfasst von Sabine Bühler