Film ist online erhältlich!

Der Film der Selbsthilfegruppe Lusubilo im Süden von Tansania zeigt die Mitglieder in Ihrem Alltag. Nicholas Calvin Mwakatobe aus Dar es Salaam hat in Zusammenarbeit mit der tansanischen Pfarrerin Melania Mrema-Kyando und Claudia Zeising, ökumenische Mitarbeiterin bei Mission 21, die Mitglieder der Selbsthilfegruppe in Ihrem Alltag aufgezeichnet. Es entstand ein Film, der den Menschen Mut machen soll. Es wird gezeigt, wie wichtig es ist, die Bevölkerung über das Thema Aids aufzuklären und sich testen zu lassen. Der Film ist online als DVD bei Mission 21 käuflich zu erwerben – siehe hier. Online kann der Film in Deutsch hier -  Englisch hier – und Suaheli hier angeschaut werden.

„Just like you – Wie du und ich“ – ein Dokumentarfilm über HIV-positive Menschen in Tansania

Melania Mrema Kyando mit Claudia Zeising und Filmemacher Nicholas

Am Freitag, den 4. Dezember 2015 durften wir Frau Melania Mrema Kyando und Herrn Nicholas Calvin in Bad Boll begrüßen. In Begleitung von Frau Claudia Zeising touren die zwei durch Deutschland, um Ihren Film „Just like you – Wie du und ich“ zu bewerben.

Melania Mrema Kyando ist Pastorin und  Leiterin der Selbsthilfegruppe Lusubillo. Lusubillo steht für Hoffnung, da die Angehörigen der Lusubillo-Gruppe an HIV/Aids erkrankt sind. Melania Mrema Kyando kam zum ersten Mal mit der Immunkrankheit Aids in Berührung, als ihr Mann verstarb. Daraufhin hat auch sie sich testen lassen, mit dem Befund, dass  sie auch HIV positiv ist. Da in Afrika Aids immer noch ein Tabuthema ist, versucht Melania betroffenen Menschen durch ihre Selbsthilfegruppe zu unterstützen. Heute hat die Selbsthilfegruppe über 40 Mitglieder, die sich einmal pro Woche treffen und sich miteinander austauschen, sich gegenseitig Tipps und Anregungen geben sowie Fragen beantworten.Melania und Claudia organisieren große Kampagnen auf Marktplätzen, bei denen sich die Menschen kostenlos testen können, um endlich Gewissheit zu haben, ob sie HIV- positiv sind. Ist eine Person positiv getestet worden, bekommt man vor Ort einen Überweisungsträger in die Klinik. Anhand der Überweisung kann nun die Therapie mit Medikamenten begonnen werden. „Viele der Menschen haben durch die Medikamente ein schmerzfreies Leben und können ihren alltäglichen Aufgaben wieder nachgehen“, berichtet uns Melania.

Claudia war so beeindruckt von der Arbeit Melanias, dass sie sich entschied, darüber ein Buch zu schreiben mit dem Titel „Positiv leben“. In dem Buch erzählen einige Mitglieder ihre Geschichte. „Hierbei handelt es sich nicht um ein Sachbuch über Aids, sondern um Portraits einiger Mitglieder der Gruppe“, wie es Claudia Zeising beschreibt.

Die unzähligen Interviews mit den Mitgliedern der Gruppe wurden von dem jungen Nicholas Calvin (28 Jahre) geführt. Nicholas war maßgeblich daran beteiligt, dass dieses Buch inklusive Bilder überhaupt zu Stande kam. „Ich war so überwältigt von der Arbeit Melanias, dass ich einfach an der Zusammenarbeit teilnehmen musste“, schmunzelt Nicholas. Schon früh entwickelte Nicholas die Idee, einen Dokumentarfilm zu drehen, welcher auf dem Buch basiert. Nach einer dreijährigen Planungsphase war es dann soweit, Nicholas konnte endlich den Film drehen.

Die Personen, die ihre Leidensgeschichte in dem Buch erzählen, sind auch in dem Dokumentarfilm zu sehen. Der Film ist keine Abhandlung über die Immunkrankheit Aids, sondern gewährt uns Einblicke in die tragischen Lebensgeschichten der HIV-positiven Menschen innerhalb der Gruppe. Der Dokumentarfilm lässt uns in die Welt von Melania und Claudia eintauchen und zeigt uns ihre Arbeiten, die sie voller Leidenschaft und Eigeninitiative betreiben.  Die beiden organisieren Räume, um die Aids-Tests durchführen zu können, sie gehen auf die betroffenen Menschen und ihre Familien ein und bieten ihre Hilfe an. Aber auch in Schulen und Gemeinden sind Melania und Claudia anzutreffen. Überall wo es notwendig ist, erscheinen die zwei Frauen und möchten über das Thema informieren und Vorurteile aus der Welt schaffen. Deshalb ist der Film zusätzlich mit deutschen Untertiteln versehen, um auch in Deutschland das Thema anzusprechen.  Leider  assoziieren viele Menschen hierzulande Adis immer nur mit dem Kontinent Afrika. Aber es muss betont werden, dass auch Aids in Europa ein Thema ist, welches man nicht außer Acht lassen sollte.

Mit Hilfe des Filmes können nun die Frauen eine breite Masse erreichen und bildlich darstellen, dass HIV-positiv nicht gleich ein Todesurteil darstellt. Trotzdem versuchen die Damen weiterhin durch gezielte Aufklärung, das Thema Aids den Menschen näher zu bringen.

Unser großer Respekt gebührt den beiden Damen, die unermüdlich für die Aufklärung von Aids kämpfen und sich nicht durch die Krankheit einschüchtern lassen. Auch möchten wir uns vor Nicholas verneigen, der den Film ohne jegliche Ausbildung erschaffen hat.

Melania Mrema Kyando zu Besuch in Deutschland

Die Losungen unterstützen die Arbeit der Frauen in Rungwe

„Unsere Frauen freuen sich sehr, dass sie zuverlässig und immer rechtzeitig den ‚Kiongozi Kalenda‘, wie die Losungen in Swahili heißen, in ihren Händen haben“, erzählt Mrema Kyando. Für ein Tansania-Partnerschaftsseminar hat die Pfarrerin Deutschland besucht und von der Frauenarbeit der Moravian Church in Tansania erzählt. Die Losungen sind dabei ein wichtiger Baustein und die Frauen in den Gemeinden sind stolz darauf, dass sie diese meist noch vor den Pfarrern in ihren Gemeinden erhalten.

Das Frauenzentrum in Rungwe liegt in der Südprovinz Tansanias und wird rege genutzt. Ein Gästehaus soll diese Arbeit nun erweitern und es möglich machen, mehrtägige Veranstaltungen abzuhalten. Auch Gäste aus Deutschland werden in diesem neuen Gästehaus herzlich willkommen sein. Für den Bau wird allerdings einiges an Material benötigt und Mrema Kyando weiß, dass die Frauen aus Rungwe ihr Projekt nicht ohne Unterstützung umsetzen können. Darum bittet sie um Ihre Mithilfe.

Beratung, Arbeit und Stärkung der Frauen

Melania Mrema Kyando, Leiterin des Frauenzentrums in Rungwe
Frauenzentrum in Rungwe
Überblick verschiedener Produkte der Frauengruppe
Teil der Frauengruppe
Ein Teil der HIV-Selbsthilfegruppe in Rungwe

Pamoja Tunaweza* –„Gemeinsam schaffen wir es“. Mit diesem Slogan ist die Frauenarbeit gemeint. In Tansania werden immer noch viele Frauen benachteiligt, erhalten weniger Bildungsmöglichkeiten als Männer oder werden in Form von häuslicher Gewalt von ihren Männern unterdrückt. „Oft hilft es als ersten Schritt, wenn sich Frauen treffen, gegenseitig austauschen und über ihre Erlebnisse und Erfahrungen sprechen“, erzählt uns Melania Mrema Kyando, Leiterin der Frauenarbeit in Rungwe. Sie leitet die Gruppe seit über sieben Jahren, ist Pfarrerin, Witwe und HIV-infiziert. Sie ist Aktivistin, kämpft für die Rechte der Frauen, verteilt HIV-Medikamente, bietet einkommensfördernde Maßnahmen an und bietet Männern die Stirn. Nicht immer ein leichtes Unterfangen.

In der Frauengruppe in Rungwe, im Hochland und der Südprovinz Tansanias gelegen, kommen viele Frauen zusammen. Die Frauenarbeit hat einen guten Ruf, der sich durch Mundpropaganda verbreitet hat.

Seit 2009 werden Nähprodukte wie Taschen, Körbchen, Geldbörsen und weitere Accessoires von den Frauen hergestellt. Neun Frauen besitzen ihre eigene Nähmaschine. Von zu Hause aus werden die Aufträge bearbeitet. Jede Frau bestimmt ihr eigenes Tempo, ist somit selbst für ihre Ergebnisse verantwortlich. Die Frauen sind Unternehmerinnen, tragen zum Einkommen der Familie bei, verdienen sich Respekt bei den Männern und können mit ihren Ersparnissen in die eigene Ausbildung oder die ihrer Kinder investieren. Die Produkte werden in ganz Tansania verkauft. Auch ins Ausland, zum Beispiel nach Deutschland, werden sie ab einer bestimmten Menge geliefert. Es sollen künftig noch mehr Frauen eingestellt werden – die Nachfrage nach den Nähprodukten aus Rungwe ist groß.

90% der landwirtschaftlichen Aktivitäten in Tansania wird von Frauen gestemmt. Nebenbei sind sie für die Kindererziehung zuständig, für den Haushalt und kümmern sich um Haus, Hof und die komplette Familie. Für Bildung, einen eigenen Job und damit ein eigenes Einkommen bleibt wenig Zeit. Am Ende sind sie von ihren Ehemännern abhängig und geben diese Erfahrung an ihre Kinder weiter – ein Teufelskreis. Er kann aber – wenn auch sehr langsam – durchbrochen werden. „Es ist sehr wichtig, die Frauen über ihre Rechte aufzuklären“, ermahnt Mrema Kyando. „Laut tansanischem Gesetz haben Frauen viel mehr Rechte, als ihnen auf den ersten Blick bewusst ist.

Auch ist es wichtig, sie zum Thema HIV/Aids aufzuklären“, so die Projektleiterin weiter. Daher gibt es eine Selbsthilfegruppe für HIV-infizierte Frauen, Männer und Jugendliche.

„Sie sollen stolz sein und ihren Mut nicht verlieren, gegen die Krankheit anzukämpfen und das Leben soweit wie möglich zu meistern. Es bedarf Mut und Gleichgesinnte. Und ein Projekt, das Unabhängigkeit schafft. Die Gruppe betreibt eine eigene Schweine- und Hühnerzucht und verdient somit ein wenig Geld durch Verkäufe auf dem Wochenmarkt. „Wir planen, ein Gästehaus zu bauen, so dass interessierte Menschen unsere Projekte näher kennenlernen können“, weiht uns Mrema Kyando in die Zukunftspläne des Frauenzentrums ein. Über eine Mikrofinanzierung soll das Projekt verwirklicht werden. „Wir geben den Frauen ihr Selbstwertgefühl zurück. Wir stärken sie, klären sie auf, sie können ihr eigenes Geld verdienen, können sich beweisen, bekommen HIV/Aids-Medikamente und helfen sich gegenseitig“, so die Aktivistin. „Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, den Frauen eine hoffnungsvolle und selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen“, bittet Mrema Kyando.

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